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Ambassadorenstadt Solothurn
Frankreichs Ambassadoren (Botschafter bei der Eidgenossenschaft) hatten Solothurn 1530 zu ihrer regelmässigen Residenz erwählt. Aus ihrem glänzenden Hofhalt und
den reichlich fliessenden französischen Gnadengeldern schöpfte die Stadt einen Wohlstand, den der Adel in höfischen Festlichkeiten zu entfalten liebte. Militärische Solddienste
für den französischen König bildeten die volkswirtschaftliche Haupt-Einnahmequelle. Beim Sturm des Volkes auf die Pariser Bastille anlässlich der französischen Revolution von 1789
führte der Solothurner Patrizier Besenval ein französisches Regiment an, das von aussen her gegen die Demokratie fordernden Aufständischen vorging, wobei er die Eingeschlossenen
nicht zu schützen vermochte. In den darauffolgenden Jahren bis ca. 1797 fanden viele vor der Revolution fliehende französische Adlige in Solothurn Zuflucht.
Helvetik, Mediation und Restauration
In Solothurn hatte sich seit dem 17. Jahrhundert nach französischem aristokratischem Vorbild ein erbliches Patriziat herausgebildet, dessen absolutistische
Herrschaft erst am 1. März 1798 mit dem Einrücken der Franzosen unter dem Revolutionsgeneral Napoleon ein vorläufiges Ende nahm. Die Mediationsakte Bonapartes erhob 1803 Solothurn
zu einem von 19 Kantonen mit je einer Repräsentativverfassung. Nach der definitiven Niederlage Napoleons und dem Einrücken der Österreicher bemächtigten sich die noch lebenden
Mitglieder der alten patrizischen Räte in der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1814 des Rathauses, erklärten sich für die rechtmässige Regierung und schlugen eine Erhebung der
Landschaft mit bernischer Hilfe nieder. In der Folge wurde der Landschaft (ganzes Kantonsgebiet ausserhalb der Hauptstadt) nur noch ein Drittel des Grossen Rats zugestanden.
Verfassungskämpfe
1828 wurde Solothurn durch ein Konkordat der Kantone Bern, Luzern, Zug, Solothurn, Aargau und Thurgau zum Sitz des neu gegründeten Bistums Basel erhoben. 1830
musste das Patriziat dem stürmischen Verlangen der Landschaft, dem sich auch die Garnisons-Soldaten angeschlossen hatten, nachgeben und vereinbarte mit den Ausschüssen derselben
eine neue liberal-demokratische Verfassung, welche, obwohl sie der Hauptstadt noch 37 Vertreter auf 109 (also ein zu starkes Gewicht) gewährte, am 13. Januar 1831 mit grosser
Mehrheit angenommen wurde. Nach dem Züriputsch wurde das Wahlvorrecht der Stadt beseitigt und die Mitgliederzahl der Regierung vermindert, worauf die neue Verfassung am 10. Januar
1841 angenommen und das liberale Regiment durch fortschrittliche Wahlen aufs neue befestigt wurde. Daher gehörte der Kanton trotz seiner überwiegend katholischen Bevölkerung zu
den entschiedensten Gegnern des katholischen Sonderbundes auf eidgenössischer Ebene und nahm die neue Bundesverfassung 1848 mit grosser Mehrheit an. Solothurn verlor damit seine
staatliche Eigenständigkeit und wurde zum föderalen Gliedstaat.
Zehntenablösung
Im Kanton Solothurn wie anderswo bestand seit dem frühen Mittelalter das System der Erbhörigkeit der Bauernfamilien, d.h. ihre Abhängigkeit von einem Grundherren.
Einer der bekanntesten war das bereits erwähnte Chorherren-Stift St. Ursen, aber auch die meisten Adeligen gehörten dazu (vgl. oben, Ritter Hesso), und nach dem Aufstreben der
Stadt Solothurn während des Mittelalters gehörte auch sie als institutionelle Zehntherrin dazu. Die Bauern unterstanden der Gerichtsbarkeit des Grundherren und mussten ihm
regelmässig den Natural-Zehnten (später auch Geldzinsen) abliefern. Die liberale Verfassung von 1831 (wie übrigens auch bereits die napoleonisch-helvetische Verfassung von 1798)
sah ein Loskaufs-Recht von diesen Feudallasten vor. Es dauerte aber noch geraume Zeit, bis es sich die Bauernfamilien finanziell leisten konnten, dieses Recht wahrzunehmen. War es
dann so weit, so waren sie freie Bauern, die als Pächter Verträge abschliessen oder einen Hof kaufen konnten, wie das noch heute üblich ist.
Verfassungsrevisionen
Durch zwei Verfassungsrevisionen (1851 und 1856) wurde das lange festgehaltene System der indirekten Wahlen (durch Wahlmänner) und der Allmacht der Regierung in
Kommunalangelegen-heiten beseitigt. Nachdem 1869 Referendum und Initiative, also die direkte Demokratie, eingeführt worden waren, wurde 1875 die gesamte Verfassung revidiert. 1874
wurde zudem die kantonale Todesstrafe abgeschafft.
Kulturkampf
Inzwischen war der Konflikt der Basler Diözesankantone gegen den in Solothurn residierenden Bischof Eugène Lachat ausgebrochen, in welchem Solothurn sich der Mehrheit anschloss
und den Bischof polizeilich nötigte, nach seiner Absetzung seine Amtswohnung zu räumen (siehe: Kulturkampf in der Schweiz). Zugleich strengte die Regierung namens der Stände einen
Aufsehen erregenden Prozess gegen Lachat wegen stiftungswidriger Verwendung von bedeutenden Legaten an, der 1877 vom Obergericht zu ihren Gunsten entschieden wurde. Eine Folge
dieses Konflikts war die Aufhebung einer Anzahl kirchlicher Stiftungen am 18. September 1874, deren ca. 4 Mio. Fr. betragendes Vermögen für Schul- u. Krankenfonds verwendet wurde.
Auch fand das neue christkatholische Bistum staatliche Anerkennung in Solothurn.
Da die Regierung sich durch Beteiligung mehrerer ihrer Mitglieder an einem Bankschwindel blossstellte, trat sie 1887 zurück, und das Volk beschloss am 23. Oktober jenes Jahres
eine neue, rein demokratische Verfassung. Darin wurde die Volkswahl des Regierungsrates festgelegt sowie die Kantonalbank verstaatlicht. Eine neuerliche Totalrevision der
Verfassung erfolgte im Jahr 1986, nachdem 1971 das Wahl- und Stimmrecht für die Frauen eingeführt worden war.
Industrialisierung
War der Kanton Solothurn noch bis ins 19. Jahrhundert hinein - abgesehen von einigen Ausnahmen wie die Von Roll'schen Eisenwerke oder das gewerbliche Handwerk -
ein reiner Landwirtschafts-Kanton, so setzte dann unter tatkräftiger Förderung v.a. von Regierungsrat Wilhelm Vigier, eine rapide Industrialisierung ein. Ende des 19. Jahrhunderts
gehörte der Kanton zu den stärkst industrialisierten des Landes überhaupt. Vigier, ein abtrünniger Patrizier und überzeugter Freisinniger, hat das Förderungs-Ziel teils ohne
Rücksicht auf soziale Belange verfolgt, was ihm den Zorn der Arbeiterbewegung eintrug (mit ersten Gründungen regionaler Gewerkschaften). Massgeblich zum industriellen Aufschwung
beigetragen hat die Hebung des Bildungsniveaus nach 1830 mit der Einführung der obligatorischen Volksschule sowie der Gründung von Kantonsschule und Berufsschulen. Heute überwiegt
der Dienstleistungs-Sektor den Industriesektor bezüglich Anzahl Beschäftigter, letzterer ist aber vergleichsweise noch immer stattlich gross. Die grösste Bekanntheit haben wohl
die Grenchner Uhrenindustrie (dies in einer Tradition seit Mitte des 19. Jahrhunderts), die Stahl Gerlafingen AG (ehemals von Roll), die nicht mehr existierende Schuhfabrik Bally
Schönenwerd, die von Roll-Isola in Breitenbach, das Kernkraftwerk Gösgen-Däniken und - im Bereich Dienstleistungen - der Eisenbahn-Knotenpunkt Olten erlangt.
Die Bevölkerungs-Entwicklung: 1850 70'000 Einwohnende, 1950 170'000, 2004 249'700.
Asylpolitik und Toleranz
Das christliche Solothurn bot vielen Asyl. In den Tälern und auf den schwer zu bewirtschaftenden Höfen fanden viele Glaubensverfolgte Zuflucht. Juden stiessen
allerdings auch im Kanton Solothurn lange auf Ablehnung: Trotz langer Anwesenheits-Tradition erhielten sie aufgrund religiöser und anderer Abneigungen erst in den 1860er Jahren
die Niederlassungs-Freiheit.
Die Weltkriege
Prägendes Ereignis des ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 war nebst Mobilmachung und Grenzbesetzung in den Bezirken Dorneck und Thierstein vor allem der landesweite
Generalstreik am Kriegsende, bei dem die Armee in Grenchen drei streikende Uhrenarbeiter erschoss.
Quelle Wikipedia cc by nc
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